Jun 22 2020

Wer war Giovanni Boccaccio? Sein Zehntagewerk, das „Decamerone“, ist Inhalt einer der faksimilierten Prachthandschriften, die es bei WK Wertkontor zu erstehen gibt

Zu den insgesamt 20 Faksimiles, die der Gütersloher Luxusgütervertrieb WK Wertkontor GmbH verkauft, gehört mit der detailgetreuen Nachbildung des Palatinus Latinus 1989 ein Kleinod der französischen Kunst- und Literaturgeschichte. Die vom Meister der Cité des dames aufwendig illustrierte Prachthandschrift, deren Original für den Burgunderherzog und Kunstmäzen Johann Ohnefurcht angefertigt worden ist und die heute, 600 Jahre später, in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt wird, hat ein einzigartiges Stück Weltliteratur zum Inhalt: das „Decamerone“ aus der Feder Giovanni Boccaccios.

Ein wunderschön illustrierter Miniaturenzyklus, der aus insgesamt 100 Bildern besteht, illustriert den in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenen Text, der die Geschichte von insgesamt sieben Frauen und drei Männern erzählt, die sich im Jahr 1348, als die Pest in Florenz wütete, aus Angst vor einer möglichen Infektion in ein außerhalb der Stadt gelegenes Landhaus zurückgezogen haben. An insgesamt zehn Tagen erzählt jede der zehn anwesenden Personen zu einem vorab vereinbarten Thema jeweils eine Geschichte. Diese 100 Novellen wiederum bilden das Decamerone, das deshalb auch als Zehntagewerk bezeichnet wird.

Die faksimilierte Prachthandschrift, die WK Wertkontor à 999 Stück an ihre wertebewussten Kund*innen in ganz Deutschland verkauft, enthält die erste französische Übersetzung des ursprünglich in lateinischer Sprache verfassten Decamerone. Der Text des Decamerone, in dem es unter anderem um Frauenlist und Männerrache sowie um Liebe und Leid geht, hat bis ins 21. Jahrhundert hinein nicht an Frische und Aktualität verloren und unterhält den modernen Leser ebenso wie bereits damals den mittelalterlichen Leser. Der Verfasser, Giovanni Boccaccio, muss ein wahrer Könner gewesen sein. Wer war der Schöpfer dieses zeitlosen Textes? WK Wertkontor klärt auf.

WK Wertkontor stellt vor: Giovanni Boccaccio – italienischer Schriftsteller und Begründer der prosaischen Erzähltradition in Europa

Der Schriftsteller Giovanni Boccaccio, der für den Inhalt der faksimilierten Prachthandschrift aus dem Sortiment der WK Wertkontor GmbH verantwortlich zeichnet, hatte ein sehr aufregendes Leben. Er wurde am 16. Juni 1313 entweder in Florenz oder in dem unweit davon gelegenen Bergdorf Certaldo als uneheliches Kind des Kaufmanns Boccaccio di Chellino und einer unbekannten, nach seiner Geburt verstorbenen Mutter geboren. Giovanni Boccaccio selbst förderte im Laufe seines Lebens eine über ihn verbreitete Legende, die besagt, dass er in Paris von der französischen Adeligen „Giovanna“ geboren wurde.

Seine Kindheit verbrachte Giovanni Boccaccio in Florenz, wo sein Vater bei der bekannten Privatbank Compagnia dei Bardi tätig war. Mit etwa 14 Jahren zog er schließlich nach Neapel, um auf Veranlassung seines Vaters hin den Beruf des Kaufmanns in der dort beheimateten Filiale der Compagnia die Bardi zu erlernen. Während seines Aufenthalts in Neapel, der bis zum Jahr 1340 andauerte, entdeckte Giovanni Boccaccio seine Leidenschaft für die Literatur. Das von seinem Vater für ihn vorgesehene Studium der Handelstätigkeit sowie des kanonischen Rechts gehörte bald schon der Vergangenheit an. Stattdessen hielt er sich am Hof des Robert von Anjou auf, lernte Intellektuelle und den höfischen Lebensstil kennen und eignete sich im autodidaktischen Studium umfangreiches Wissen und Bildung an. Während seiner Zeit in Neapel wurde er schließlich erstmals als Schriftsteller tätig.

1340 zog es Giovanni Boccaccio wieder in den Norden Italiens, in seine Heimatstadt Florenz. Zu diesem Zeitpunkt war er in finanziellen Schwierigkeiten, weshalb er sich dazu entschied, in den Dienst des Staates einzutreten. In den folgenden Jahren bekleidete er verschiedene Staatsämter und lebte zeitweise am Hof des Ostasio da Polenta in Ravenna und dann bei Francesco Ordelaffi in Forli. Allen voran das bürgerlich-städtische Umfeld, das sich vom höfischen Umfeld, das er ebenfalls kannte, stark unterschied, und das er in dieser Zeit vermehrt kennenlernte, inspirierte ihn hinsichtlich seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Der Höhepunkt dieser kreativen Schaffensperiode bildete das Decamerone, in dem er die äußerst vielschichtige Gesellschaft des 14. Jahrhunderts porträtierte.

Im weiteren Verlauf seines Lebens schloss er eine enge Freundschaft mit dem italienischen Dichter und Geschichtsschreiber Francesco Petrarca, unternahm im Auftrag der florentinischen Stadtverwaltung eine Vielzahl von Reisen und entdeckte letzten Endes auch seine Leidenschaft für klassische Texte, deren Studium er sich fortan gemeinsam mit seinem Freund Petrarca und anderen Intellektuellen widmete. Ab 1360 nahm der vielseitig interessierte Mann das Studium der griechischen Sprache auf und veranlasste im weiteren Verlauf letztendlich auch die Einrichtung eines Griechisch-Lehrstuhls an der Florenzer Universität. Lehrstuhlinhaber des ersten Lehrstuhls für griechische Sprache innerhalb Westeuropas wurde Leontius Pilatus. Bei diesem gab Giovanni Boccaccio dann auch die erste lateinische Übersetzung der weltbekannten Homerschen Epen, der Ilias und der Odyssee, in Auftrag. Ebenfalls im Jahr 1360 war es, als der Schriftsteller in den minderen Geistlichenstand eintrat.

In den 1370er Jahren verschlechterte sich der Gesundheitszustand Giovanni Boccaccios. Seinen Lebensabend verbrachte der Mann, der mit seinem Meisterwerk, dem Decamerone, als Begründer der prosaischen Erzähltradition in Europa gilt, in Certaldo. Hier starb er am 21. Dezember 1375 im Alter von 62 Jahren.